name

tim riecke

titel

 

con\texture\de\structure

pruefer

 

prof. claudius lazzeroni / prof. herta wolf

   

"das kunstwerk fuehrt an sich selbst vor, daß und wie das kontingent hergestellte, an sich gar nicht notwendige schließlich als notwendig erscheint, weil es in einer art selbstlimitierung sich selbst alle möglichkeiten nimmt, anders zu sein." niklas luhmann

"syntax und logik waehlen aus der gesamtheit der moeglichen beziehungen und verbindungen immer nur die 'guten' verbindungen zwischen den toenen aus. das fuehrt dazu, daß der zuhoerer zum polizisten wird - er macht das inventar der beziehungen, er hoert nicht mehr die toene selbst." john cage

ausgehend vom kontingenzbegriff niklas luhmann fuehrt die arbeit con\texture\de\structure mit hilfe einer zeichenmaschine und dem sie steuernden programm einen selbst-referenziellen prozess vor, welcher weder abbildend noch abstrakt ist. das ueber die dauer der ausstellung entstehende bild kann vielmehr als konkret bezeichnet werden, da jedes element auf den selben prozess hinweist und umgekehrt, der prozess in jedem teil des bildes seine konkrete entsprechung findet. kontingenz als prinzipielle offenheit und ungewissheit menschlicher lebenserfahrung, kennzeichnet ein ereignis als alle unter den vorherrschenden bedingungen moeglichen ereignissen. die moeglichkeiten eines beliebigen kontingenten ereignisses sind also gleichzeitig begrenzt und unendlich. wie andere paradoxien auch, fuehrt dieses zu weitreichenden problemen. wenn jede situation in der welt kontingent ist, so ergibt sich daraus, dass erkenntnis nicht erlangt werden kann. werte und normen verlieren ihre absoluten charakter und wenn sie schon nicht beliebig sind, so sind sie wenigstens austauschbar. das kunstwerk verliert seinen status als ein objekt, das eben aus seiner einzigartigkeit und nicht-austauschbarkeit seine berechtigung erhaelt.

wenn das kunstwerk kontingent ist, so ist sein originalitaetsanspruch nur als taeuschung zu verstehen. ob es die komposition eines bildes, die farbgebung oder musikalische ordnungssysteme wie tonalitaet oder rhythmus sind. immer verweisen sie auf tradiertes, welches das werk in hinblick auf die vergangenheit rechtfertigt. con\texture\de\structure verdeckt seinen kontingenten charakter nicht, sondern stellt ihn ganz bewusst zur schau.

das video zur installation auf: youtube